Siegener Zeitung vom 14. Mai 2003

„Suite in Greek“ in der Nikolaikirche uraufgeführt

Blechbläser von pro musica sacra konzertierten mit beachtlicher Nervenstärke unter erschwerten Bedingungen

[…] In bewährter Weise führte Ensembleleiter und Posaunist Eckehard Pankratz informativ und humorvoll durchs Programm, das mit alter Musik begann: William Byrd hat dem Earl of Oxford, seinem Freund, einen Marsch gewidmet, eine „spritzige“ Musik mit reicher Harmonik. Elgar Howarth hat sie so arrangiert, dass die pms-Bläser bei den filigranen Verzierungen hinreichend Gelegenheit bekamen, ihre technische Perfektion schon hier zu beweisen.

Hohe Anforderungen an die neun Bläser und die Bläserin Carina Schlabach stellte auch Christopher Mowats Arrangement einer fünfsätzigen Suite aus Johann Sebastian Bachs Kompositionen für Cembalo. Das Prélude und die vier Tanzsätze präsentierte pms sehr abwechslungsreich und ganz im Sinne des Arrangeurs, der teilweise im „Concerto-grosso“-Stil eine kleine Concertino-Gruppe mit einem größeren Ensemble concertieren (wetteifern) lässt.

André Beckers Arrangement aus Leo Boëllmanns „Suite Gothique“ für Orgel beschloss den ersten Konzertteil: „Prière à Notre Dame“, ein ruhiger meditativer Satz, der akustisch eine Brücke zwischen Mittelalter und Romantik schlägt – im Arrangement stilsicher für Blech transkribiert und von pms einfühlsam interpretiert.

Den Konzerthöhepunkt bereitete das Trompetenquartett (Simon Bald, André Becker, Ingo Samp, Carina Schlabach) mit Passeraus Madrigal „Il est bel et bon“ im Arrangement von Peter Reeve vor. Zur Uraufführung seiner „Suite in Greek“ op. 199 hat der 1946 in Griechenland geborene Komponist Dimitri Nicolau nicht aus seinem Domizil in Rom anreisen können […], aber er hat den Musikern und ihren Zuhörern eine schriftliche Information über sein für pms geschaffenes Werk zukommen lassen, in der er für die Zusammenarbeit seit dem Jahr 2000 dankte.

Nicht mit musikalischen Pathos, großer Harmonik, sondern mit weichem Hornklang begann das „Prelude“, in den das Flügelhorn, eine Posaune und immerzu weitere Instrumente einstimmten. Im anschließenden „Tango“ sucht Nicolau die Verbindung des modernen schnelleren „Tango milonga“ mit dem älteren langsameren „Tango argentino“. Im Mittelsatz „Nachtlied“ spielt Nicolau mit schwebend-ruhigen Klängen und Klangfarben, wobei das solistische Quartett aus den weit mensurierten Instrumenten (Flügelhorn, Waldhorn, Euphonium, Tuba) besteht, gelegentlich unterstützt durch Posaunen- und „Glasharfen“-Klänge, letztgenannte von den nicht-blasenden Trompetern beigesteuert. Der italienischen Sängerin Helen Magoja gewidmet ist Nicolaus vierter Satz „Magoja Tanz“, in dem Reminiszenzen an Kurt Weills Musik anklingen, der Brecht-Interpretin Helen Magoja verbunden war. Zum Schluss gallopierte „Der Rote Reiter“ musikalisch durch mittelalterliche Nächte auf Kreta und befreite dort gefangene Schönheiten.

Die Bewältigung eines vielfältigen Spektrums gestalterischer Einfälle des Komponisten bewältigte pms souverän mit zunehmender Spielfreude beeindruckend und bestätigte Nicolaus Intention einer fantasievollen Musik, „die mit den Erinnerungen und Gefühlen an die vergangene Kindheit ’spielt‘, in der sicher jeder von uns viel unmittelbarer den Klang der Umgebung, die Lieder und auch gesprochenen Worte der Erwachsenen aufnahm und die liebevolle und bewegende Bedeutung eines solchen persönlichen Umgangs direkt fühlte.“ Bleibt zu hoffen, dass noch viele Zuhörer in den […] Genuss dieses pms gewidmeten Werks von Dimitri Nicolau kommen werden […].

Mit „La Historia de una amapola“ (Geschichte eines Klatschmons) von Leon/Clavero im Arrangement von Harvey und Traugott Fünfsinns Vorspiel und Choral „Bleib bei mir, Herr, der Abend bricht herein“ als Zugaben endete dieses außergewöhnliche Konzert, in dem pro musica sacra sein professionell anmutendes Niveau erneut bestätigte und seine Zuhörer begeisterte.

Westfälische Rundschau, 03. Januar 2003

Pro musica sacra begeisterte Publikum beim Wilnsdorfer Neujahrskonzert

Die Blechbläser boten einen mitreißenden Sound

…Die neun altbekannten Männer und die neue mit der Trompete (Carina Schlabach) legten einen mitreißenden Sound vor…Den Swing müssen die „Originalen“ erst einmal hinlegen, den die zehn mit diskreter Unterstützung von zwei Schlagzeugern an diesem Neujahrstag wie im Märchen gezaubert haben… Dass bei soviel Oper und Film auch ein bisschen Spiel auf der Bühne für Extraspaß sorgte, wird nicht überraschen.